Freitag, 28.02.2020
Dienstag, 11. Februar 2020 13:45 Uhr

Leserbrief: Die Teichanlagen sind Lebensraum für Menschen und Tiere - Stellungnahme der Kreisnaturschutzbeauftragten zum geplanten HAWK-Neubau Leserbrief: Die Teichanlagen sind Lebensraum für Menschen und Tiere - Stellungnahme der Kreisnaturschutzbeauf

Holzminden. Grünflächen im Siedlungsbereich dienen der Erholung der Bevölkerung und prägen entscheidend das städtische Mikroklima. Hier werden Niederschläge gespeichert, hier kühlt sich die warme Luft ab, während zwischen Gebäuden und über anderen versiegelten Flächen, wie Straßen und Parkplätzen, auch nachts die Wärme gespeichert wird. Bäume sorgen durch ihren Schatten zusätzlich für einen Temperaturausgleich, filtern Schadstoffe aus der Luft, speichern CO2 und produzieren Sauerstoff.

Das wird angesichts höherer Temperaturen und längerer Trockenperioden immer wichtiger für die Lebensqualität in einer Stadt, auch in Holzminden. Der Erhalt und die behutsame Weiterentwicklung der Teichanlagen sollten daher Priorität vor einer Bebauung haben, für die es in direkter Nachbarschaft alternative Flächen gibt! Die trockenen Sommer der letzten beiden Jahre haben bereits Schäden am Baumbestand verursacht. Es sollten jetzt heimische Laubbäume nachgepflanzt werden, denn die Parkanlagen sind auch ein bedeutender Lebensraum für Tiere, z.B. für verschiedene Vogel- und Fledermausarten.

Erst letztes Jahr wurde hier die seltene Bechsteinfledermaus nachgewiesen, eine Art, deren Erhaltungszustand in Niedersachsen als schlecht bewertet wird und für die laut Niedersächsischem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die höchste Priorität für Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen gilt. Auch die landeseigene Grünfläche mit dem Baumbestand an der Böntalstraße gehört zum Lebensraum dieser und weiterer Tierarten. Laut Artikel wirbt HAWK-Präsident Dr. Hudy für einen turmartigen Bau, bei dem „vergleichsweise wenig Fläche versiegelt wird und die Bäume erhalten bleiben und geschützt werden sollen.“

Allerdings müssten für das Fundament ein Großteil der Baumwurzeln gekappt werden. Darüber hinaus muss die Baugrube entwässert werden, selbst wenn keine Unterkellerung geplant ist. Es ist unwahrscheinlich, dass die alten Bäume neue Wurzeln auf nun sehr viel kleinerem Raum ausbilden können, noch dazu wenn ihnen während der Bauphase das Wasser abgegraben wird. Trockene Äste und das Absterben ganzer Bäume sind vorprogrammiert - wegen der Verkehrssicherungspflicht müssten sie dann doch gefällt werden!

So wie Bäume und Grünflächen das Mikroklima zum Positiven verändern, gilt das natürlich auch umgekehrt: versiegelte Flächen und neue Gebäude schaffen Barrieren für den Luftaustausch und den Temperaturausgleich. Eine Überbauung des ohnehin bereits versiegelten Parkplatzes - möglichst aufgeständert, um Autostellplätze zu erhalten - würde den Studierenden der „Bauschule“ ein gutes Beispiel für nachhaltige und innovative Stadtplanung geben.

Tanja Frischgesell und Karsten Dörfer - Kreisnaturschutzbeauftragte

Foto: NABU Dietmar Nill

*Für die Inhalte eines Leserbriefs ist einzig der genannte Autor verantwortlich, die Weser-Ith News distanziert sich von dem jeweiligen verfassten Artikel. Die jeweiligen Leserartikel enthalten dazu den Namen des Urhebers. Die Weser-Ith News behält sich das Recht vor, Leserartikel zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht insofern nicht.

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